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Wenn das Wasserrad die Zeit zurückdreht: Der Mülitag verbindet Geschichte, Musik und Gemeinschaft


Für einen Tag im Jahr verwandeln das rhythmische Geräusch fliessenden Wassers, sich drehender Holzwasserräder, Volksmusik, Kinderlachen und der Duft von frischem Holz und traditionellen Speisen die historische Aumüli in einen Ort, der in der heutigen Zeit selten geworden ist: eine lebendige Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Der Mülitag 2026 zeigte erneut, warum der Anlass auf dem Gelände der Stiftung Aumüli zu den beliebtesten kulturellen Veranstaltungen der Region gehört. Trotz unsicherer Wetterprognosen und später einsetzendem Regen zog der Anlass bemerkenswert viele Besucherinnen und Besucher an — möglicherweise sogar mehr als im vergangenen Jahr, wie Hugo Lombriser, Präsident des Vereins Pro Aumüli, erklärte.


„Wegen des Wetters hatten wir eigentlich nicht mit so vielen Leuten gerechnet“, sagte Lombriser nach dem Anlass. „Doch am Morgen wurde es schön, um die Mittagszeit kam sogar die Sonne heraus, und plötzlich hatten wir unglaublich viele Besucher. Es sah sogar so aus, als wären es mehr als letztes Jahr.“

Schon am frühen Morgen strömten die Gäste über das historische Gelände, während die wasserbetriebene Mechanik der alten Mühle wieder zum Leben erwachte. Angetrieben vom Wasser der Reppisch setzte sich das mächtige Wasserrad in Bewegung und demonstrierte zusammen mit Sägerei und Mühle die stille Präzision traditionellen Handwerks — ein Einblick in eine Welt, die nicht von Bildschirmen und Geschwindigkeit geprägt war, sondern von Geduld, Mechanik und menschlichem Können.


Die Aumüli ist weit mehr als ein malerischer historischer Ort. Das geschützte Ensemble ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) aufgeführt und stellt einen bedeutenden Teil regionaler Identität und Schweizer Kulturerbes dar. „Die Aumüli ist ein lebendiges Denkmal“, betonte Lombriser. „Es geht nicht nur darum, alte Mauern zu erhalten, sondern traditionelle Techniken und Handwerkskunst für kommende Generationen verständlich und erlebbar zu machen.“


Doch der Mülitag ist kein nostalgischer Museumsanlass. Besonders macht ihn die Verbindung von Geschichte, Herzlichkeit, Mitmachen und gelebtem Dorfleben. Familien, Kinder, Musiker, Handwerker, Freiwillige und Besucherinnen und Besucher verschiedener Generationen werden Teil eines gemeinsamen Erlebnisses.

Das musikalische Rahmenprogramm sorgte auch dieses Jahr für eine besondere Atmosphäre. Die Musikgesellschaft Stallikon brachte mit ihren festlichen Klängen Stimmung auf das Gelände, während Kinder zwischen sechs und neun Jahren der Jungjodler vo Huuse mit traditionellen Jodelliedern das Publikum begeisterten. Später am Nachmittag ergänzte die Schwyzerörgeli-Formation aus Schlieren die Atmosphäre mit authentischer Volksmusik, die sich beinahe nahtlos mit dem Geräusch des Wasserrads und des fliessenden Wassers verband.


Besonders die Kinder standen im Zentrum des diesjährigen Mülitags. Für sie wurden zahlreiche Spiele und Aktivitäten organisiert, die sich zu einem der grössten Publikumsmagnete entwickelten. Laut einem Mitglied des Familienclubs Stallikon nahmen über 100 Kinder an den Aktivitäten teil.


„Die Kinder hatten Spass, die Familien waren glücklich — es war einfach ein wunderbarer Tag“, sagte Lobrieser sichtlich erfreut.


Neben Musik und Vorführungen zog auch der Marktbereich viele Besucher an. Regionale Handwerkerinnen und Handwerker sowie lokale Produzenten boten frisch gebackenes Brot, handgefertigte Lederwaren wie traditionelle Schweizer Treichelriemen, lokale Liköre und Schnäpse, Metall- und Flechtarbeiten, Heimtextilien, regionale Hof- und Fleischprodukte sowie frisch gemahlenes Weizenmehl direkt aus der Mühle an. Gerade diese Mischung aus Handwerk, regionaler Esskultur und gelebter Tradition verlieh dem Anlass seine besondere Authentizität.


Als gegen 14 Uhr langsam Regen einsetzte, verliessen viele Gäste nach und nach das Gelände, und der Anlass fand einen natürlichen Ausklang. Doch das Wetter konnte die positive Stimmung und die Zufriedenheit der Organisatoren und Besucherinnen und Besucher nicht trüben.


Für viele Menschen bietet der Mülitag heute etwas, das in einer schnelllebigen Welt immer seltener wird: Entschleunigung, generationenübergreifende Begegnungen und eine echte Verbindung zum lokalen Kulturerbe. Während viele traditionelle Ausstellungen vor allem auf Präsentation setzen, hat sich der Mülitag längst zu einem umfassenden kulturellen Gemeinschaftserlebnis entwickelt.


„Viele Leute sagen mir, dass dies einer der schönsten Anlässe dieser Art ist, weil er so viel mehr bietet“, sagte Lombriser. „Wir haben Musik, Kinderaktivitäten, Vorführungen, Essen, Tradition und echte menschliche Begegnungen. Genau das macht den Mülitag in der Aumüli so besonders.“


Und vielleicht ist es genau deshalb so: Wenn sich das alte Wasserrad wieder zu drehen beginnt, scheint sich für ein paar Stunden auch die Zeit selbst ein wenig zu verlangsamen.


Text: Deviprasad Rao Foto: Laura Lombriser


 
 
 

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