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Zwei Gitarren, eine Welt

Tonic Strings verzaubern die Kafimüli in Stallikon-Sellenbüren


Der Freitagabend beginnt unscheinbar. Ein kurzer Weg ins Wohnheim Loomatt,  dann öffnet sich die Tür zur Kafimüli — und mit ihr eine andere Welt. Drinnen riecht es nach gemütlichem Abend und Vorfreude. Die Stühle füllen sich, der Barbetrieb läuft, und irgendwo zwischen dem ersten Glas und dem zweiten Blick zur improvisierten Bühne merkt man: Heute Abend wird etwas Besonderes passieren.


Punkt 20:00 Uhr tritt Marianne Egli, Mitglied des Leitungsteams der Kafimüli, ans Mikrofon. Mit herzlichen Worten führt sie das Publikum in den Abend ein — wer die beiden Musiker sind, was sie verbindet, was uns erwartet. Es ist eine Einführung, die genau das tut, was eine gute Einführung tun soll: sie macht neugierig, ohne vorwegzunehmen. Dann überlässt sie die Bühne den beiden Künstlern.


Toni Donadio und Nic Niedermann nehmen ihre Plätze ein. Zwei Männer, zwei Akustikgitarren, kein Schnickschnack. Der Applaus zur Begrüssung ist herzlich und fast familiär - wie es sich für einen Abend in Stallikon gehört.


Dann der erste Ton. Und das Publikum hält den Atem an.


Was Tonic Strings in den nächsten zwei Stunden präsentieren, lässt sich schwer in Stilschubladen pressen — und das ist ihr grösstes Kompliment. Gypsy-Jazz, der fliegt wie ein Funke. Latin-Rhythmen, die den Körper unwillkürlich in Bewegung bringen. World Music, die an Küsten erinnert, die man nie besucht hat, aber irgendwie zu kennen glaubt. Ihre Musik lebt sowohl von der gegenseitigen Harmonie wie auch von der solistischen Freiheit und genau dieses Spannungsfeld macht jeden Moment lebendig. Wenn Donadio eine Melodie trägt, weiss man nicht genau, wann Niedermann übernimmt; der Übergang ist so fliessend, so selbstverständlich, wie ein Gespräch zwischen zwei Menschen, die sich seit Jahrzehnten kennen. Was sie eben auch tun.


Seit ihrem ersten gemeinsamen Konzert 1989 in einer Oltner Alternativbeiz, welches sie bis heute als magisch beschreiben, sind die beiden weitgereisten Vollblutmusiker Fahrende in der Welt der Musik und Suchende in der Welt der Töne geblieben. Diese Haltung - neugierig, offen, nie fertig - spürt man in jedem Stück. Eigenkompositionen wechseln mit Standards, das Virtuose mit dem Verspielten. Donadio, die südländische Wärme in den Fingerspitzen; Niedermann mit einer Präzision, die nie kalt wirkt. Zusammen erzählen sie spannende Geschichten, die keine Worte brauchen.


Das Zentrum Kafimüli (Variante: Die Kafimüli) erweist sich als idealer Ort für diesen Abend. Klein genug für Nähe, gross genug für Resonanz. Kein Abstand zwischen Bühne und Publikum — man sitzt dabei, nicht davor. Und das Publikum spürt das. Es gibt keine Smartphones, die in die Höhe gereckt werden. Die Leute hören einfach fasziniert zu. Lachen, wenn die beiden sich einen musikalischen Scherz erlauben. Nicken, wenn eine Melodie trifft. Atmen gemeinsam aus, wenn ein Stück endet.


Eintritt frei, Kollekte - diese Bescheidenheit passt zur Haltung des Duos. «Wir sind Old School», sagen Donadio und Niedermann von sich selbst, und meinen es als Ehrentitel. Kein Marketing, keine grossen Gesten. Nur zwei Männer und ihre Gitarren, die alles geben.


Am Ende, nach der Zugabe, nach langem, begeistertem Applaus, nach einem Abend, der zu schnell vergangen ist, bleibt ein Gefühl: Musik kann das. Sie kann einen Ort in einen anderen verwandeln. Einen kühlen Raum in Sellenbüren in ein kleines Stück mediterrane Welt. Einen Freitagabend in etwas, das man so bald nicht vergisst.


„Ich bin total sprachlos. Ich habe noch nie jemanden so unglaublich virtuos Gitarre spielen hören. Danke, Kafimüli“, sagte Chris Nokes, ein Gast. 


Die Kafimüli hat sich einmal mehr  von ihrer besten Seite gezeigt — als das, was es im besten Sinne ist: Treffpunkt Stallikon.


Tonic Strings: www.tonicstrings.ch — Kafimüli: www.kafimueli.com


Text: Deviprasad Rao (Devi)

 
 
 

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