Freiheit, Solidarität – und ein ungewöhnlich ruhiger 1. August

Stallikon feierte den Nationalfeiertag beim Werk- und Feuerwehrgebäude mit Musik, Begegnungen und einer pointierten Festrede von Alt-Nationalrat Hans Egloff. Feuerwerk und Höhenfeuer fehlten – der Feststimmung tat dies keinen Abbruch.
Bereits kurz nach 18 Uhr füllte sich der Vorplatz des Werk- und Feuerwehrgebäudes an der Püntenstrasse. Über 200 Stallikerinnen und Stalliker sowie Gäste waren der Einladung des Gemeinderates zur traditionellen Bundesfeier gefolgt. Gruppen standen beim Apéro zusammen, neue und alte Bekanntschaften kamen ins Gespräch. Nach einem heissen Sommertag verschwand die Sonne langsam hinter dem Gebäude, ein frischer Luftzug sorgte für angenehmere Temperaturen – und trotz dunkler Wolken blieb es trocken.
Gemeindepräsident Reto Bernhard hiess die Anwesenden willkommen und überbrachte die besten Wünsche des Gemeinderates zum Nationalfeiertag. Anschliessend stellte er den Festredner des Abends vor: Hans Egloff, Rechtsanwalt, ehemaliger Nationalrat und früherer Präsident des Hauseigentümerverbandes Schweiz.
Für die passende musikalische Kulisse sorgte die Musikgesellschaft Stallikon gemeinsam mit der Harmonie Adliswil unter der Leitung von Marc Bühler. Mit ihrem abwechslungsreichen und schwungvollen Programm brachte sie nicht nur Feststimmung auf den Platz, sondern verleitete einige Gäste sogar zu einem spontanen Tänzchen.

Wenn politische Gegner miteinander jassen
Im Mittelpunkt des offiziellen Teils stand die Festansprache von Hans Egloff. Er widmete sich einem Thema, das zum Nationalfeiertag kaum passender sein könnte: der Schweizer Demokratie und ihrer besonderen politischen Kultur.
Diese lebe von Debatten auf unterschiedlichen Ebenen, von Volksabstimmungen und davon, anschliessend gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden. Entscheidend sei dabei auch die Bereitschaft, demokratische Entscheide zu akzeptieren – eine Erfahrung, die Egloff während seiner Jahre im Nationalrat selbst immer wieder gemacht habe.
Dass politische Gegensätze persönliche Begegnungen nicht ausschliessen müssen, illustrierte er mit Anekdoten aus dem Bundeshaus und den parteiübergreifenden Jassrunden unter Parlamentariern. Selbst die politische Kontrahentin Jacqueline Badran habe ihn einmal augenzwinkernd als den «Gescheitesten unter den Immobilienfreaks» bezeichnet.
Neben der politischen Mitbestimmung hob Egloff die wirtschaftliche Freiheit als wichtigen Grundpfeiler der Schweiz hervor – und fügte noch eine typisch schweizerische Tugend hinzu: Ausdauer. Als Beispiel nannte er die Abschaffung des Eigenmietwerts, für die mehrere Anläufe und Abstimmungen nötig waren. Kritische Worte fand er auch zur Weiterentwicklung der Beziehungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union und warnte vor einer zu weitgehenden Übernahme europäischen Rechts.
Eine Premiere für Eva Kramer
Für die neu gewählte Gemeinderätin Eva Kramer hatte die diesjährige Bundesfeier noch eine persönliche Bedeutung. Zum ersten Mal nahm sie in ihrer neuen Funktion am Nationalfeiertag der Gemeinde teil.

«Es war ein rundum gelungenes Nationalfeiertagsfest, das mir in guter Erinnerung bleiben wird», sagt Kramer. Besonders gefreut habe sie sich darüber, viele Stallikerinnen und Stalliker persönlich kennenzulernen. Auch Egloffs Botschaft sei ihr geblieben: die Erinnerung daran, dass die Schweiz auf demokratischen Werten wie Freiheit und Solidarität aufgebaut sei.
Während auf der Bühne und dem Festplatz gefeiert wurde, sorgten Röbi und Magdalena Sidler gemeinsam mit Helferinnen und Helfern für die traditionelle Festwirtschaft. Auch Gemeinderat Andreas Zbinden packte am Buffet mit an. So wurde die Bundesfeier einmal mehr zu dem, was ein Dorffest ausmacht: Menschen begegnen sich, kommen miteinander ins Gespräch und tragen gemeinsam zum Gelingen des Abends bei.
Ein 1. August ohne Knallerei
Eine Besonderheit des Abends fiel gerade dadurch auf, dass sie nicht zu hören war. Kein Zischen von Raketen, keine Knallerei und keine Rauchschwaden über dem Festplatz. Auch das beliebte Höhenfeuer musste in diesem Jahr ausfallen.
Der Stalliker Willi Schmid empfand gerade diese ungewohnte Ruhe als besonders angenehm. «Am meisten beeindruckte die Ruhe des Abends – kein Zischen um die Ohren, keine Knallerei, keine Rauchschwaden», sagt er. Auch das abgesagte Höhenfeuer habe vermutlich niemand gross vermisst, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu: «Es war auch so schon warm genug.»
Schmid genoss vor allem die gesellige Atmosphäre. Bereits zu Beginn seien auf dem Vorplatz überall Gruppen in angeregte Gespräche vertieft gewesen, während der Apéro regen Zuspruch fand. Auch das gemeinsame Konzert der Musikgesellschaft Stallikon und der Harmonie Adliswil habe zur lebendigen Stimmung beigetragen. Egloffs Festrede blieb ihm ebenfalls in Erinnerung – insbesondere dessen pointierte Bemerkungen zu den Bilateralen und zu den parteiübergreifenden Jass-Gepflogenheiten im Bundeshaus.
Nach der Festrede, der musikalischen Umrahmung und der gemeinsam gesungenen Landeshymne ging der Abend in den gemütlichen Festbetrieb über. Mit Pit’s Music Project kam später auch Tanzmusik hinzu.
Eva Kramer blickt bereits voraus: Sie hoffe, dass im kommenden Jahr wieder viele Einwohnerinnen und Einwohner zusammenkommen werden – und dann vielleicht auch das traditionelle Höhenfeuer zurückkehrt.
Doch die diesjährige Bundesfeier zeigte, dass ein 1. August nicht unbedingt Feuer und Knallerei braucht. Ein lauer Sommerabend, Musik, politische Gedanken und Menschen, die miteinander ins Gespräch kommen, können ebenso gut zeigen, was eine Gemeinde zusammenhält.
Text: Deviprasad Rao. Fotos: Mark Itin





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